Es ist wie bei der Kalbsleberwurst, Kalb steht drauf, es ist aber fast nur Schwein drin. Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt, dass wir getäuscht werden, bei Wahlen und bei der Werbung.
Kaum jemand regt sich noch darüber auf. Wenn dann aber die Medien über Vorgänge einseitig und belehrend berichten, die sich mit selbst erlebten Tatsachen nicht decken, bringt das auch schon mal ganz normale Bürger auf die Straße.  Die täglichen Nachrichten in dieser Republik verkommen immer mehr zum Staatsbürgerkundeunterricht.
Prioritäten und Themen werden immer mehr gleichgeschaltet. Von differenzierter Berichterstattung ist immer weniger zu spüren.
Es wird nicht gelogen, nein, das nicht. Aber es werden Fakten bewusst zurückgehalten.
RFS (Reporters Without Borders) hat zum Thema Pressefreiheit eine Rangliste erstellt, bei der Deutschland weiter abgerutscht ist.

Auf Seite von Reporter ohne Grenzen Deutschland ist dazu zu lesen (https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/rangliste-2021):

Gewalt gegen Medienschaffende in Deutschland erreicht nie dagewesene Dimension
In Deutschland verschlechtert sich in der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit um zwei Plätze vom 11. auf den 13. Rang.
Seine Punktzahl rutscht von 12,16 auf 15,24 ab und überschreitet damit die Marke von 15 Punkten, ab der RSF die Situation in einem Land als „zufriedenstellend“ einstuft und nicht mehr als „gut“.
Die Farbe Deutschlands auf der Weltkarte der Pressefreiheit wechselt entsprechend von weiß auf gelb. Hauptgrund dieser Bewertung ist, dass Gewalt gegen Medienschaffende in Deutschland im Jahr 2020 eine noch nie dagewesene Dimension erreicht hat: Im Kalenderjahr 2020 zählte RSF mindestens 65 gewalttätige Angriffe gegen Journalistinnen und Journalisten im Land. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Jahr 2019 (mindestens 13 Übergriffe) verfünffacht. Die Organisation geht zudem davon aus, dass die Dunkelziffer 2020 höher ist als in den Vorjahren….”

Und so liest sich der Bericht auf der RSF Internetseite (https://rsf.org/en/germany) :

Starke verfassungsrechtliche Garantien, aber Druck von rechts
Solide verfassungsrechtliche Garantien und eine unabhängige Justiz sorgen für ein günstiges Umfeld für Journalisten in Deutschland.
Das Bundesverfassungsgericht hat immer wieder zum Schutz der Pressefreiheit entschieden.
Aber die deutschen Gesetze zum Zugang zu Informationen sind im internationalen Vergleich schwach.
Der Medienpluralismus erfährt aus wirtschaftlichen Gründen eine langsame, aber stetige Erosion, insbesondere bei den Lokalzeitungen.
Außerdem werden Journalisten manchmal von Extremisten und feindseligen Demonstranten bedroht, belästigt oder sogar körperlich angegriffen.
Die meisten dieser Übergriffe sind der extremen Rechten zuzuschreiben, aber auch die radikale Linke ist für einige verantwortlich.
2020 war ein besonders gewalttätiges Jahr für Journalisten, vor allem während der Proteste.”

Media pluralism is undergoing a slow but steady erosion for economic reasons, especially as regards local newspapers.

Und jetzt schreiben die deutschen Zeitungen bei Reporter ohne Grenzen Deutschland ab. Der schwache Zugang zu Informationen oder die stetige Erosion der Lokalzeitungen wird nicht thematisiert.
Der Begriff “Lügenpresse” ist nicht gerechtfertigt, weil immer wieder Wichtiges weggelassen wird.
Eine neutrale vollständige Berichterstattung ist die Grundlage für das Vertrauen in unsere Medien. Und das wurde sorglos verspielt.