Vor zehn Jahren habe ich begonnen unser kleines Stück Feld, was bis dahin verpachtet war, der Natur zurückzugeben.
Ich habe es mit einer Benjeshecke eingefasst, aber sonst weitgehend in Ruhe gelassen. Ein kleines Stück vom Feld hatte ich als Garten geplant.
Es sollte mein Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt sein. Leichter gedacht als getan, vor allem wenn rundherum immer mehr die Monotonie um sich greift.
Folgendes war gegeben:

  • Ein sehr lehmiger Boden  (Tendenz zu Minutenboden)
  • Jahrzehnte lang verdichtet durch schwere Technik
  • Bodenleben gleich null
  • rings um intensive Landwirtschaft

Nach zehn Jahren Arbeit, habe ich durch Bodenbearbeitung und Mulchen den Boden im Garten wieder so weit gebracht, dass wir Tomaten, Gurken, Möhren usw. für den Eigenbedarf ernten konnten. Und auf dem ehemaligen Feld blühen jedes Jahr andere Kräuter. Die Schmetterlinge und Bienen freut es.
In den Jahren 2014/15 gab es Nacktschnecken in unvorstellbaren Massen. Um überhaupt etwas ernten zu können, haben wir jeden Abend versucht die Plagegeister zu dezimieren.
Dann kamen drei dürre Sommer. Dadurch sind wir die Schnecken jetzt zwar los, dafür wird jetzt unser Garten massenhaft von Wühlmäusen heimgesucht. Da hatte ich nun mein “Bodenleben”. Erst dachte ich, es ist doch für alle genug da. Doch als die gepflanzten Obstbäume, trotz gießen, anfingen zu welken und eine Pflanze nach der anderen einging ein bzw. nach unten verschwand, war es mir dann irgendwann doch zu viel. Auf eine Fläche von 10 x 10 m habe ich 30 Wühlmäuse mit Falle gefangen.
Eine hing an der Hacke. Die hatte ich zufällig bei der Bodenbearbeitung mit der Hacke aufgespießt.

Neben den Plagegeistern sind aber auch Tiere und Insekten zu beobachten, die vorher nicht da waren oder mir bis dahin nicht aufgefallen sind.
Im angrenzenden Wäldchen bewohnt der Fuchs und der Dachs gemeinsam einen Bau, ohne das wir wirklich etwas davon mitbekommen.
Der Rehbock hat schon einige Bäumchen und Sträucher auf dem gewissen. Ein oder mehrere Igel besuchen die aufgestellte Schüssel mit Wasser und die Futterschale im Herbst regelmäßig. Auch Waschbären treiben sich Nachts herum. Zwei Bruten Rauchschwalben sind ausgeflogen, einmal fünf und einmal vier.
Im Spätsommer sind Abends Fledermäuse bei der Jagd zu beobachten. Zauneidechse und Wechselkröte haben sich auch eingefunden. Schwarz-, Grün-, und Buntspecht besuchen uns regelmäßig, Blaumeisen, Kohlmeisen, Zaunkönig, Rotkehlchen, Zilpzalp, Pirol …. Auch ein Eichhörnchen hat sich einmal blicken lassen. Neu sind die Holzbienen, die sich am Muskateller Salbei tummeln. Klimawandel?
Es ist eigentlich gar nicht so schwer, wenn man nur einen kleinen Teil der Flächen in Ruhe lässt. Dann nehmen die kleinen Geister den Bereich schnell wieder in Besitz.
Wo sollen sie sonst auch hin? Ins Hotel? Wenn wir alle etwas mehr Rücksicht auf die vielen kleinen Mitbewohner dieser Erde nehmen würden, wäre schon viel geschafft.
Aber leider nimmt das Drama weiter seinen Lauf. Die Straßenbäume, die grünen Verbindungen sterben weiter, auf dem Feld und an den Straßenrändern werden regelmäßig die Insekten und Kleintiere geschreddert.
Der angebliche Gartenliebhaber mäht weiter jede Woche seinen Rasen und räumt im Herbst alles aus dem Garten, was seiner Vorstellung von Ästhetik widerspricht, traurig.
“Wilde” Tiere beobachten, die freiwillig in unseren Garten kommen, um zum Beispiel das Vogelbad zu nutzen, finde ich sehr viel interessanter als einen Hund, dem treu doof egal ist, wer am anderen Ende der Leine steht.
Ich weiß von vielen, die schon länger naturnah Gärtnern oder sich ähnlich ganz praktisch für den Artenschutz engagieren, ohne auf öffentliche Anerkennung zu warten.  Nur so können wir uns schützen. Es geht uns etwas an! Der Natur ist das egal.

Nach den DLF Wissenschaftsmeldungen vom 23.09.2020 wird seit Jahren über die Hälfte der weltweit für den Naturschutz aufgewendeten Mittel nur für das Monitoring ausgegeben. Nach dem Motto, lasst uns erstmal gucken, ob es wirklich so schlimm kommt. Den Verantwortlichen “Entscheidern” geht es offenbar noch gar nichts an.